Agilität bedeutet, Teil der Lösung zu sein

Ich gestehe: Ich bin ein Fan meines neues Faltrades. Es fährt toll, sieht gut aus und es hat meine Vorstellung davon, wie und wann ich mein Fahrrad nutzen kann, noch einmal revolutioniert. Zunächst war ich nur vom Produkt selbst, also dem Fahrrad fasziniert. Es gibt einfach schön anzuschauende Modelle. Doch nachdem ich mir nach vielen Jahren des Zögerns endlich ein Brompton gekauft habe, stieß ich abends beim Zappen durch die YouTube-Channels auf ein Video, in dem Will Butler-Adams aus seiner Sicht erklärt, warum die Brompton-Räder sogar unser Leben positiv verändern können. Das Video heißt Be Part Of The Solution.

Das hat mich natürlich neugierig gemacht und ich wollte mehr wissen. Ist Will Butler-Adams, CEO von Brompton, vielleicht nur ein genialer Marketer? Die Filme von Brompton sind wirklich gut, oder steckt da mehr dahinter? Ich suchte und fand weitere Videos über die Geschichte von Brompton und eines davon, ein Talk von Will bei Google, zeigt die epische Breite des Denkens, das hinter Brompton steht:

  • Die Firma ist nachhaltig gewachsen. Es wird nur so viel Geld investiert, wie die Firma hat – es werden keine Kredite aufgenommen.
  • Die Mitarbeiter von Brompton wollen ein Produkt bauen, das so gut ist, dass es den Kunden wirklich begeistert.
  • Zwei Drittel der Innovationen stecken in der Fertigung, nicht im Produkt selbst.
  • Das Fahrrad wird noch immer in London gebaut. Brompton will faire und nachhaltige Beziehungen zu seinen Lieferanten und Vertriebspartnern.
  • Für mich das Wichtigste: Sie sehen sich als Teil einer Lösung, nicht als Produktlieferanten. Sie wollen die Mobilität von Menschen verändern, die nicht Radfahren wollen.
  • Dafür baut Brompton sogar eigene Shops, denn die “traditionelle Fahrradszene” richtet sich (in der Regel) an die Radsportler – nicht aber an den Menschen, der in der Stadt von A nach B fahren will.

Ich denke, wir als Agile Consultants können von Brompton viel lernen und uns vielleicht wieder folgende Fragen stellen:

  • Welches Problem wollen wir in den kommenden Jahren lösen, nachdem wir bewiesen haben, dass agile Organisationen effektiver funktionieren und wir auch wissen, wie man das erreicht? Meine Antwort ist: Ich will unser Wissen dafür einsetzen, die Klimakrise abzuwenden.
  • Wie können wir unser Produkt-Portfolio so verbessern, dass es auch in anderen gesellschaftlichen Bereichen effektiv wird? Unsere erste Antwort darauf ist Scrum4Schools. Wir wollen Schule zu Orten machen, an denen Bildung für jeden einfacher zu erwerben wird.
  • Wie können wir ein Netzwerk von Agile Consultants erschaffen, die zumindest einen Teil ihrer Energie in die Beratung von gesellschaftlich relevanten NGOs stecken wollen? 
  • Wie könnte es gelingen, dass wir wieder mehr Diskussionen über relevante Lösungen führen statt über agile Methoden?

Es gibt sicher noch viele Fragen, die beantwortet werden müssen. Lasst mich eure Ideen wissen. Vielleicht habt ihr aber auch schon konkrete Antworten auf diese oder ähnliche Fragen.

Boris